Ratgeber · Für Selbstständige
Altersvorsorge für Selbstständige: alle Optionen im Überblick
Als Selbstständiger zahlst du in der Regel nicht automatisch in eine Rente ein — du musst deine Vorsorge selbst aufbauen. Das ist Freiheit und Verantwortung zugleich. Dieser Überblick stellt die wichtigsten Wege ehrlich gegenüber: gesetzliche Rente, Rürup, das neue Altersvorsorgedepot ab 2027, ETF-Depot und Immobilie — mit Vor- und Nachteilen, damit du weißt, was zu deiner Situation passt.
Warum das für dich besonders wichtig ist
Rund drei Millionen Solo-Selbstständige in Deutschland haben keine Pflicht-Altersvorsorge. Wer nichts tut, hat im Alter schlicht nichts — die Altersarmut ist in dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch. Die gute Nachricht: Du hast mehr Gestaltungsfreiheit als jeder Angestellte. Und ab 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot erstmals eine staatlich geförderte Option dazu, die wirklich für dich gemacht ist.
Die fünf Wege im Vergleich
Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Geeignet für: alle Selbstständigen, die staatliche Förderung mit Flexibilität wollen
- +Zulage bis 540 €/Jahr — erstmals auch für Selbstständige
- +Beiträge flexibel anpassbar bei schwankendem Einkommen
- +Echtes ETF-Sparen, Kostendeckel 1 % p. a., vererbbar
- −Erst ab 01.01.2027 verfügbar
- −Kapital bis zur Rente gebunden
- −Nachgelagerte Besteuerung in der Auszahlphase
Rürup-Rente (Basisrente)
Geeignet für: Gutverdiener mit hoher Steuerlast, die eine lebenslange Rente wollen
- +Hoher Steuerabzug: 2026 bis 30.826 € (Ledige) als Sonderausgaben
- +Lebenslange garantierte Rente
- +Pfändungs- und Hartz-IV-sicher
- −Sehr unflexibel, keine Kapitalauszahlung
- −In der Regel nicht vererbbar
- −Oft Versicherungsmantel mit höheren Kosten
Privates ETF-Depot (ungefördert)
Geeignet für: alle, die maximale Flexibilität und Zugriff aufs Geld wollen
- +Volle Flexibilität: jederzeit ein-, aus- und entnehmbar
- +Niedrige Kosten, breite Auswahl
- +Historisch gute Renditechancen
- −Keine staatliche Förderung
- −Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer
- −Volles Marktrisiko, erfordert Disziplin
Freiwillige gesetzliche Rentenversicherung
Geeignet für: alle, die eine garantierte Rente und Reha-/Erwerbsminderungsschutz schätzen
- +Garantierte lebenslange Rente
- +Zugang zu Reha- und Erwerbsminderungsleistungen
- +Inflationsausgleich über Rentenanpassungen
- −Vergleichsweise niedrige Rendite
- −Beiträge gebunden, keine Kapitalauszahlung
- −Wenig flexibel
Immobilie
Geeignet für: alle mit genug Eigenkapital, die im Alter mietfrei wohnen wollen
- +Selbst genutzt: keine Miete im Alter
- +Vermietet: laufende Einnahmen
- +Inflationsschutz durch Sachwert
- −Klumpenrisiko, hoher Kapitaleinsatz
- −Instandhaltung, Leerstand, Verwaltung
- −Unflexibel, schwer teilbar
Versorgungswerk: nur für verkammerte Berufe
Ärzte, Anwälte, Architekten, Steuerberater und andere Kammerberufe sind über ihr berufsständisches Versorgungswerk pflichtversorgt. Wenn das auf dich zutrifft, ist das deine Basis — das Altersvorsorgedepot kann trotzdem als flexibler Zusatzbaustein danebenstehen, die Zulage gibt es unabhängig davon.
Wie ich es angehen würde — ehrlich
Ich bin kein Finanzberater, sondern selbst Solo-Selbstständiger. Für mich ergibt eine Kombination am meisten Sinn: ein flexibler, renditeorientierter Kern (ab 2027 das geförderte Altersvorsorgedepot, ergänzt um ein ungefördertes ETF-Depot für die volle Flexibilität) — und bei hoher Steuerlast Rürup als Steuer-Baustein. Das Wichtigste ist aber nicht das perfekte Produkt, sondern früh und regelmäßig anzufangen. Deine konkrete Aufteilung hängt von Einkommen und Steuer ab — im Zweifel mit unabhängiger Beratung.
Stand: Juni 2026. Allgemeine Information, keine Anlage- oder Steuerberatung. Zahlen zur Rürup-Rente: Höchstbetrag 2026. Das Altersvorsorgedepot beruht auf einem Gesetzgebungsstand, der sich bis zum Start am 1. Januar 2027 noch ändern kann.