Ratgeber · Für Selbstständige
Altersvorsorgedepot für Selbstständige: lohnt es sich — oder doch Rürup?
Rund drei Millionen Solo-Selbstständige in Deutschland haben keine Pflicht-Altersvorsorge. Ab 2027 ändert sich etwas Grundlegendes: Das neue Altersvorsorgedepot steht erstmals auch Freelancern, Beratern und Gewerbetreibenden voll offen — mit staatlicher Förderung. Dieser Leitfaden ordnet ehrlich ein, für wen sich das lohnt, wie es sich gegen die Rürup-Rente schlägt und was bei schwankendem Einkommen und Versorgungswerk gilt.
Warum 2027 für Selbstständige ein Wendepunkt ist
Bisher war geförderte Altersvorsorge an die gesetzliche Rentenversicherung gekoppelt — und damit für die meisten Selbstständigen praktisch verschlossen. Riester war für Nicht-Pflichtversicherte in der Regel keine Option. Ab dem 1. Januar 2027 sind alle Selbstständigen voll förderberechtigt, unabhängig davon, ob sie gesetzlich rentenversichert sind. Ob Solo-Freelancer, Berater, Kreative oder Gewerbetreibende: Du bekommst dieselbe staatliche Förderung wie Angestellte — bis zu 540 € Zulage pro Jahr.
Altersvorsorgedepot vs. Rürup-Rente
Für Selbstständige ist das die entscheidende Frage. Beide Wege fördert der Staat, aber sie funktionieren grundverschieden. Die wichtigsten Unterschiede:
| Altersvorsorgedepot | Rürup-Rente | |
|---|---|---|
| Förderung | Zulage bis 540 €/Jahr, direkt aufs Depot | Steuerabzug der Beiträge (bis 29.344 € / 2025) |
| Flexibilität | Beiträge jederzeit anpassen oder pausieren | Beitragsfreistellung möglich, aber unflexibler |
| Kapitalauszahlung | Ja, Teil-Entnahme als Einmalbetrag möglich | Nein — nur lebenslange Rente |
| Vererbbarkeit | Ja, das Depotkapital ist vererbbar | In der Regel nein (nur mit Zusatzbaustein) |
| Rendite | ETF-Sparen, Kostendeckel 1,0 % p. a. | Oft Versicherungsmantel, höhere Kosten |
| Ideal für | Flexible Solo-Selbstständige, lange Laufzeit | Gutverdiener mit hoher Steuerlast |
Meine Einordnung: Rürup spielt seine Stärke beim Steuerabzug aus — je höher dein Gewinn und Steuersatz, desto mehr holst du heraus. Der Preis ist Unflexibilität: Das Kapital ist gebunden, nicht entnehmbar und meist nicht vererbbar. Das Altersvorsorgedepot dreht das um: weniger Sofort-Steuervorteil, dafür Flexibilität, Zugriff aufs Kapital und Vererbbarkeit — Eigenschaften, die zu einem Erwerbsleben mit Auf und Ab passen. Beides schließt sich nicht aus; viele kombinieren je nach Einkommen und Steuersituation.
Schwankendes Einkommen: der größte Vorteil
Selbstständige verdienen selten jeden Monat gleich. Genau hier spielt das Altersvorsorgedepot seine größte Stärke aus: Du kannst Beiträge jederzeit erhöhen, reduzieren oder pausieren. In einem starken Jahr zahlst du mehr ein und schöpfst die Förderung voll aus; in einem schwachen Jahr genügt der Mindesteigenbeitrag, um die Förderberechtigung zu sichern, ohne dich finanziell zu überfordern. Es gibt keine starre Beitragspflicht, die dich in einer Durststrecke unter Druck setzt — anders als bei vielen Versicherungslösungen.
Mit Versorgungswerk: lohnt sich das Depot zusätzlich?
Bist du Pflichtmitglied eines berufsständischen Versorgungswerks — etwa als Arzt, Anwalt, Architekt oder Steuerberater —, bist du trotzdem förderberechtigt. Das Altersvorsorgedepot ist dann kein Ersatz, sondern ein zusätzlicher Baustein: flexibler und renditeorientierter als das Versorgungswerk, mit der staatlichen Zulage obendrauf. Gerade wer die Aktienmarkt-Renditechancen für einen Teil seiner Vorsorge nutzen will, kann das Depot sinnvoll danebenstellen. Die konkrete Aufteilung hängt von deiner Versorgungswerk-Anwartschaft und Steuersituation ab — das ist ein Punkt, an dem sich individuelle Beratung lohnen kann.
Typische Fehler, die ich vermeiden würde
- →In schwachen Jahren ganz aussteigen, statt auf den Mindestbeitrag zu reduzieren — so verschenkst du die Förderberechtigung für das ganze Jahr.
- →Rürup und Depot als Entweder-oder sehen. Für viele Selbstständige ist eine Kombination je nach Einkommen sinnvoller.
- →Nur auf den Sofort-Steuervorteil schauen. Über Jahrzehnte entscheiden Kosten, Flexibilität und Rendite oft mehr als der Abzug im ersten Jahr.
- →Die Entscheidung aufschieben, bis 2027 da ist. Wer früh plant, kann den Start des Depots vom ersten Tag an mitnehmen.
Ehrlich gesagt
Ich bin kein Finanz-, Steuer- oder Anlageberater, sondern selbst betroffener Solo-Selbstständiger, der diese Recherche für die eigene Vorsorge gemacht hat. Gerade die Abwägung Rürup vs. Depot und das Zusammenspiel mit dem Versorgungswerk hängen stark von deinem Gewinn, deiner Steuerlast und deiner Lebensplanung ab. Nutze diesen Leitfaden als fundierten Einstieg — die finale Entscheidung triffst du selbst, im Zweifel mit unabhängiger Beratung.
Weiter im Ratgeber
Stand: Juni 2026. Allgemeine Information, keine Anlage- oder Steuerberatung. Das Altersvorsorgedepot beruht auf einem Gesetzgebungsstand, der sich bis zum Start am 1. Januar 2027 noch ändern kann.